Schmierstoff-ABC
Grundöle
(Quelle: trans aktuell spezial. Copyright by ETM-Verlag)
Grundöle für Kfz-Schmierstoffe
Bis auf pflanzliche Öle wie z.B. Rapsöl werden alle Grundöle für Schmier- und Hydrauliköle sowie auch Kraftstoffe, Heizöle, Bitumen und auch viele Kunststoffe aus Erdöl gewonnen. Die vorgenannten Produkte sind alle vom Aufbau her Verbindungen der Elemente Kohlenstoff ( C = Carboneum) und Wasserstoff ( H = Hydrogenium), die sich vor allem durch Kohlenwasserstoffmoleküle unterschiedlichster Größe unterscheiden.
Einfachster Kohlenwasserstoff ist Methan CH4, dieser ist z.B. auch Hauptbestandteil von Erdgas. Praktisch ist eine fast unendliche Vielzahl unterschiedlich groß strukturierter Moleküle möglich. Anhand der C-Atome im Molekül kann man einteilen in:
| Erdgas | Methan C1 |
| Erdölgas | Ethan C2, Propan С3, Butan C4 |
| Benzin/Super | C5 bis C12 |
| Diesel/Heizöl EL | C5 bis C12 |
| Schmieröle | С20 bis C35 |
| Vakuumgasöl/Heizöl S | über C35 |
| Bitumen | über C80 |
| Kunststoffe (Plastik) | Tausende |
Schmierstoffe können in der Praxis mit verschiedenen Methoden hergestellt werden:
Raffinat, die im Erdöl natürlich vorhandene Fraktion C20 bis C35 wird separiert.
Hydrocracköl (HC-Syntheseöl, Erdölbestandteile größer C35 werden auf die Größe von Schmierölmolekülen zerbrochen (gecrackt), die Bruchstellen werden mit Wasserstoff gesättigt (hydriert).
Synthetische Kohlenwasserstoffe, Erdölbestandteile kleiner C12 werden zunächst gecrackt zu Gasen, entweder C2 (Ethen) oder C4(Buten). Diese Gasmoleküle werden dann in mehreren Schritten auf die Größe von Schmierölmolekülen zusammengeführt (synthetisiert). Aus Ethen entsteht hierbei Poly-alpha-Olefin
(PAOPolyalphaolefin (synthetischer Kohlenwasserstoff als Basis für Motorenöl. Ausgangsprodukt - Ethen)
), aus Buten entsteht Poly-iso-Buten (PIBPolyisobuten (synthetischer Kohlenwasserstoff als Basis für Motorenöl. Ausgangsprodukt - Buten)
).
Innerhalb der Moleküle sind Einfach-, Doppel- und Dreifachbindungen sowie nicht verzweigte und verzweigte Ketten und Ringe möglich, auch Kombinationen beiden Arten. Für Schmierstoffe sind verzweigte Ketten (iso-Paraffine bzw. iso-Alkane) oder Ringe (cyclo-Paraffine bzw. cyclo-Alkane) besonders geeignet, beide haben nur Einfachbindungen. Bei Raffinaten ist eine Vielzahl unterschiedlicher Molekülstrukturen möglich. Hydrocracköle bestehen überwiegend, Synthetische Kohlenwaserstoffe fast auschließlich aus iso-Paraffinen bzw. iso-Alkanen.
Erstraffinate
Ausgangsprodukt Erdöl.
Produktionsablauf:
Destillieren: Erwärmen/Verdampfen/Kondensieren des Erdöls und dabei Gewinnung von Benzin und Mitteldestillat (Diesel, Heizöl EL).
Vakuumdestillieren: Rückstand aus der Destillation wird unter Vakuum destilliert, Öle verschiedener Viskositäten werden gewonnen.
Raffinieren: Entfernen unerwünschter Bestandteile, hierdurch wird z.B. die Alterungsstabilität verbessert
Entparaffinieren: Ausfrieren von Paraffin, dadurch wird das Kälteverhalten verbessert.
Zweitraffinate
Ausgangsprodukt Altöl.
Absetzen/Ausfiltern von Wasser und festen Fremdstoffen.
Destillieren 1. Stufe: Abtrennen der bis 360°C siedenden Kohlenwasserstoffe.
Vakuumdestillieren 2. Stufe: Raffination und Gewinnen von zwei Viskositätslagen.
Praxisverhalten der Öle
Erstraffinate
Raffinate haben eine normale Alterungsbeständigkeit und sind relativ preiswert herzustellen. Je niedrigviskoser sie sind, umso höher ist ihr Verdampfungsverlust bei hohen Temperaturen und damit der ölseitig bedingte Motorölverbrauch. Ihr Kälteverhalten (Pourpoint) ist mäßig und muss fast immer durch Additive verbessert werden. Der Viskositätsindex (VI) liegt bei ca. 90 bis 100, d.h. es sind Einbereichöle. Soll hieraus ein Mehrbereichöl mit einem höheren Viskositätsindex hergestellt werden, so ist dies nur durch Zugabe von VI-Verbessern möglich.
Zweitraffinate
Diese sind in ihrem Praxisverhalten den Raffinaten ähnlich.
Hydrocracköle und synthetische Kohlenwasserstoffe
Der besondere Vorteil dieser Grundöltypen gegenüber herkömmlichen Raffinaten ist ihre wesentlich gleichmäßigere Zusammensetzung. Dadurch haben sie eine weit höhere Alterungsstabilität und einen geringeren Verdampfungsverlust. Hydrocracköle sind Mehrbereichsöle deren Viskositätsindex (VI) zwischen 130 bis 150 liegt. Das Kälteverhalten ist besonders bei PAOPolyalphaolefin (synthetischer Kohlenwasserstoff als Basis für Motorenöl. Ausgangsprodukt - Ethen)
sehr gut und der Pourpoint liegt unter -50°C. Bedingt durch aufwendigere Herstellungsverfahren liegt der Grundölpreis sowohl bei Hydrocrackölen als auch bei synthetischen Kohlewasserstoffen allerdings deutlich über dem von Raffinaten.

